Ein Fluss ist nicht nur sein Flussbett, sondern sind auch seine vielen unterschiedlichen Nebenflüsse, die damit verbundenen Feuchtgebiete und Auwälder sowie die gesamte Vielfalt der Lebensformen, die innerhalb des weitesten Bereichs des frei fließenden Wassers des Flusses zu finden sind. In diesem prägnanten Buch, das auch für Laien gut verständlich ist, wird unser Verständnis für das Wesen von Flüssen entscheidend erweitert.
Und das ist keineswegs eine rein akademische Frage. Mit dem Wegfall der jährlichen Überflutungen und der Trockenlegung weiter Landstriche, verliert die Erde in alarmierendem Tempo Süßwasser. Langfristig betrachtet sind Flüsse lebendig. Sie entstehen, sie verändern sich, sie verlagern ihre Flussläufe, sie bahnen sich neue Wege zum Meer, sie fließen manchmal langsam, manchmal reißend, sie sind (in der Regel) voller Leben und sie können eines quasi natürlichen Todes sterben, und häufig werden sie verstümmelt oder sogar zerstört.
Es ist der jährliche Hochwasserimpuls – die kurze Zeit, in der der Fluss die Aue einnimmt –, der einem Fluss seine Vitalität verleiht, aber es ist die Technik des Menschen, die ihn tötet, indem sie den Hochwasserpuls durch Dämme, Bewässerung, Versandung und Deiche unterdrückt.
Die Mischung aus Wissenschaft, persönlicher Erfahrung und philosophischen Einflüssen macht das Buch auch für Laien, die sich nicht unbedingt aus wissenschaftlicher Perspektive mitdem Thema Flüsse beschäftigen, sehr leicht lesbar.
Julia McFadden