"Der Weihnachtsfund" versammelt über 130 Geschichten, Sagen und Märchen, die Weihnachten als religiösen Festkreis, winterliche Erfahrungswelt und literarischen Resonanzraum erschließen. Neben kunstvoller Novellistik, volksnaher Sage und phantastischem Märchen stehen humoristische Skizzen, sozialkritische Miniaturen und poetische Naturbilder. Die illustrierte Ausgabe führt von wundersamen Gaben und nächtlichen Erscheinungen bis zu Armut, Nächstenliebe und familiärer Erinnerung und zeigt, wie wandelbar das Weihnachtsmotiv in der europäischen Literatur geworden ist. Die Beiträge von Luise Büchner, Charles Dickens, Goethe, Oscar Wilde, Selma Lagerlöf, Theodor Storm, den Brüdern Grimm, E. T. A. Hoffmann, Kurt Tucholsky, Walter Benjamin und zahlreichen weiteren Stimmen verbinden unterschiedliche Sprachräume, Epochen und ästhetische Programme. Romantik, Realismus, bürgerliche Erzählkultur, Märchentradition und literarische Moderne treten in einen produktiven Austausch. Gerade diese Vielfalt macht sichtbar, wie christliche Symbolik, volkstümlicher Brauch und gesellschaftliche Beobachtung einander ergänzen oder kritisch befragen. Dieser Band empfiehlt sich als ebenso anregende Lektüre wie als reiches Arbeitsbuch zur Kulturgeschichte des Weihnachtsfestes. Er eröffnet die seltene Gelegenheit, vertraute Motive in überraschend verschiedenen Tonlagen zu verfolgen und den Dialog zwischen kanonischen Texten, populären Erzählformen und wiederzuentdeckenden Stimmen nachzuvollziehen.